Vor wenigen Tagen hat unsere Nation gegen 14 Uhr binnen 122 Sekunden ihren Präsidenten verloren. Noch nie war ein Präsident in der Bevölkerung so beliebt. Ich habe ihn selbst vor ein paar Jahren kennengelernt und es war mir eine Ehre, einer solch großen Persönlichkeit auf Augenhöhe begegnen zu dürfen. Denn genau das wollte er: Er wollte kein Präsident sein, der die Dinge aus seinem Amtssitz heraus von oben herab betrachtet, er wollte ein Bürgerpräsident unter Gleichen sein.
Ich persönlich kann noch gar nicht fassen, dass er nun nicht mehr unser Präsident ist. Vielleicht ist dies der richtige Zeitpunkt darüber nachzudenken, ob man nicht das Amt des Bundespräsidenten per Wahl durch die Bürgerinnen und Bürger der Bundesrepublik Deutschland vergeben sollte. Er hätte bei der letzten Wahl eine überwältigende Mehrheit bekommen und wäre entsprechend legitimiert gewesen, dass ihn niemand hätte so in dieser Form kritisieren können, wie es nach dem unsäglichen Interview vom 22.05.2010 geschehen ist. Und mal unter uns gesprochen: Horst Köhler ist zurückgetreten, weil es die Medien und die Opposition nicht ertragen konnten, dass er die Wahrheit gesagt hat. Das ist ein Armutszeugnis für unsere Gesellschaft.
Ein noch größeres Armutszeugnis ist die Reaktion der Oppositionsparteien auf den Rücktritt. Ein SPD-Vorsitzender, der sagt, Horst Köhler hätte sich „vom Acker gemacht“ und im Satz zuvor von Respekt spricht, ist, und das formuliere ich mit voller Absicht und in aller Deutlichkeit, das Jämmerlichste, was mir je in meinem 23 Jahre andauernden Leben begegnet ist. Aber seine Worte sind nur ein Beispiel für viele Aussagen diverser Oppositionspolitiker, die so das Amt des Bundespräsidenten mehr beschädigt haben, als es jede Kritik am Präsidenten hätte tun können.
Mit Sorge betrachte ich, wie sehr die politische Kultur in unserer Nation verkommen ist. Es ist nicht verwunderlich, dass sich in Anbetracht dieser Umstände gerade die guten Politiker von der Bühne verabschieden.
Am 19. Mai wählen die Studierenden der MLU Halle Wittenberg ihre neuen Studierendenvertreter.